Richtig Sparen statt Wildwuchs

Da machen die Gegner der Harmos-Ausstiegs-Initiative Gegenfront mit dem Argument des drohenden Bundesdiktat.

Das ist ja gerade ein Grund, um für den Ausstieg zu votieren.

Ich will, dass jedes Kind in jedem Kanton, jeder Gemeinde, jeder Klasse genau dieselben Bildungschancen erhält.
Der Bildungserfolg soll nicht mehr vom Wohnort oder gar von einer einzelnen Lehrperson abhängen.

Wenn ich zum Beispiel eine Envol7-Franzprüfung über die Unité 4 von städtischen öffentl. Oberstufen mit denen von Gaiserwald oder dem Untergymnasium am Burggraben vergleiche, sind riesige Unterschiede in den Anforderungen sichtbar.
Die Anspruchsvollste in der städtischen Oberstufe, die leichteste am Untergymnasium Burggraben.
Durch ständig knappe Noten traut sich keiner von öffentl. städtischen Oberstufen eine weiterführende Schule zu und fühlt sich lebenslang dümmer als er wirklich ist.
Promotionsreglement gibt es zwar ein vom Kanton erlassenes. Jedoch in jeder Schule wird das nach scheinbar eigenem Gutdünken ohne irgendwelche Qualitätskontrolle ausgelegt.

Wieso diese massiven Unterschiede der Bildungsmöglichkeiten auf nur 10km Radius?
Wieso nationales Harmos wenn es nicht mal vor der eigenen Haustüre funktioniert?
Wer kontrolliert überhaupt diese Harmonisierung?
Jede Lehrperson für sich allein?

Gibt es Harmonisierung ausser vielleicht in Mathe? Erreichen Welschschweizer, die Hochfranzösisch als Alltagssprache gebrauchen, in ihrer Muttersprache das gleiche Niveau wie mundartsprechende Deutschschweizer? Oder in der jeweilig anderen Landessprache? Wo ist die Harmonisierung im Fach Räume und Zeiten, Mensch und Umwelt, Natur und Technik, Sport, bildnerischen Gestalten, Hauswirtschaft, Tastaturschreiben, Informatik etc.
Kann da jede Schule oder gar jede Lehrperson schalten und walten wie sie will?
Würde durch eine Vereinheitlichung der Lerninhalte nicht mehr der Landeszusammenhalt gefördert als nur durch Lernen einer mehrheitlich kaum genutzten 2. Landessprache (v.a. im Verhältnis zum Lernaufwand)?

Und das Widersinnigste: die Harmosbefürworter, d.h. die Initiativgegner, warnen noch vom Wegfall des Kantönligeistföderalismus. Als wäre nicht genau dieser der grösste Hinderungsgrund von Harmonisierung.
Oder geht es nur darum, dass Bildungsdirektoren ihre Führerallüren an Konferenzen ausleben können? Für was wählen wir Ständeräte und können nur von Nationalräten aus dem eigenen Kanton auswählen?
Sind die denn nicht fähig die kulturellen Unterschiede des jeweiligen Wahlkantons im Bundesparlament zu vertreten?
Oder gibts diese Unterschiede am Ende gar nicht?

In der Stadt Basel macht fast jeder Dritte, gezählt vom Sonder- bis zum Sek.-Schüler, eine gymnasialen Ausbildung. Haben die denn keine Kinder in den Schulen mit sogenannten „Migrationshintergrund“, Schüler aus bildungsfernen Schichten, beim Kindergarteneintritt soziale, motorische, sprachliche Schwierigkeiten.
Oder braucht Basel Hochqualifizierte für die Pharmaindustrie (obwohl gleich an der Grenze zu billig ausgebildeten Fachkräften und erst noch ohne Kenntnisse einer 2. Landessprache) und wir in St. Gallen billige Handwerker für die Bauwirtschaft zum Autobahn- und Parkplatzausbau? Die dann mit Scheinselbstständigen aus Billiglohnländern konkurrieren müssen? Kein Wunder die latente Fremdenfeindlichkeit der unterdurchschnittlichen Bildungsschicht.
Dafür kennt jedes St. Galler Schulkind den Unterschied zwischen téléski und télésiège. Gehen ja soviele in die Westschweiz Skifahren. Und das richtige Aigu muss bereits im ersten Halbjahr Franzunterricht gesetzt werden, sonst gibts für den ganzen Satz 0 Punkte.
Nicht mal die Lehrmittel sind harmonisiert. Jeder Kanton entwickelt mit Millionenaufwand sein eigenes.

Die Stadt St. Gallen kann sich ja noch eine halbe Generation frustrierter Schulabgänger leisten, in der Hoffnung, dass sich nach vielen Jahrzehnten Einbahndiskussionen per Zufall doch noch irgendwas ändern könnte.
Anderorts sind gute öffentliche Schulen ein weitaus gewichtigeres Standortargument für hochqualifizierte gute Steuerzahler als der Steuerfuss.
In der Stadt wird lieber auf „gute“ aber halt kostenpflichtige Privatschulen verwiesen?
Dort haben Lehrpersonen aufgrund jener Andersartigkeit noch einen Bezug zur Schule. An öffentlichen städtischen scheint es mir, ist es für viele nicht mehr als nur ein x-beliebiger Job. Ob man Seklehrer in St. Gallen, Wetzikon oder Frauenfeld ist, ist einerlei.

 

Was ist denn an Schule und Bildungspolitik so föderalistisch direktdemokratisch, dass man ein Bundesdiktat so schlimm findet?
Im Gegenteil: die Direktbetroffenen (d.h. Schüler, Eltern, Quartier, Dorf) haben überhaupt nichts zu melden.
Schule ist so ziemlich die undemokratischste Institution im Land.
Mehr eine Dienstpflicht wie das Militär.
Kein Wunder muss man so Schüler mittels Strafandrohungen, 1er im Zeugnis, Mobbing durch die meist quartierfremde Lehrerschaft, zum Lernen zwingen.
Als wären Kinder und Jugendliche nicht die Wissbegierigsten der ganzen Gesellschaft.

Da spricht die städtische Schulamtsleiterin in der nicht öffentlichen Schulamtszeitung Doppelpunkt von institutionalisierter Elternzusammenarbeit und der notwendigen Initiative zur Schulentwicklung von unten.
Ausser bei Elternabenden, wo nur den Eltern der Verhaltenstarif der Schule mitgeteilt wird (was sie noch alles für Anschaffungen für das bevorstehende Skilager tätigen müssen und wieviel sie wieder mal für diesen fremdbestimmten Schulluxus aus eigener Tasche für die Ansprüche anderer abdrücken müssen), oder als einmaljährliches Elterngesprächen als Zwölftes an einem einzigen Mittwochnachmittag oder Mithilfe bei Sport- oder Velotaganlässen, habe ich Elternmitwirkung nicht erlebt.
Vor was haben die Schulen Angst?
Weil sonst auch direktbetroffene, sonst nicht stimmberechtigte ausländische Eltern wenigstens in Schulangelegenheiten ein Stimmrecht hätten?
Als wäre die ständige Eltern-Schule-Zusammenarbeit für den Bildungserfolg eines Kindes nicht essentiel.

Während 14-15-jährige städtische Schüler bei der Lehrstellenbewerbung um einen lokalen Ausbildungsplatz bereits der ganzen Brutalitiät des freien Arbeitsmarktes gegenüber von Mitbewerbern aus der ganzen Region, deren Zeugnis dank fortschrittlicheren Schulen einfach besser aussieht (aber in deren eigenen Gemeinde nicht eine adäquate Zahl an Lehrstellen vorhanden ist. Für das ist dann wieder das Wirtschaftszentrum Stadt zuständig), ausgesetzt sind, können Gymnasiasten sich dank willkürlichen adhoc-Entscheidungen des jeweiligen Rektorats in einer geschützten Werkstatt entfalten.
Ein Jahr Privat-Highschool in den USA statt drittes obligatorisches Schuljahr in der Schweiz berechtigt zum prüfungs- und probezeitfreien Eintritt ins vierte Gymijahr an der Kanti am Burggraben. Warum sind denn diese Schulen so viel besser als die hauseigenen?
Wieso kann man mit 40 noch mit 16-jährigen in der gewerblichen Berufsschule in einer Klasse sitzen, aber der Zugang zu Kantonsschulen ist nach Erreichen des 17. Alterjahrs verwehrt? Resp. es dafür noch extra ein kostenpflichtigen Erwachsenenbildungsgang geben muss?

Nur schon zB der Kantönligeist bei der gymnasialen Bildung auf 144 Seiten.
Wieso können nicht in allen Kantonen die gleichen Regeln fürs Gymnasium gelten? Dann könnte man diesen Wust an Reglementen auf 5 Seiten kürzen.
Und unzählige Beamtenstellen in Bildungsdepartementen einsparen.
Scheinbar ist in einem Land mit den weltweit höchsten Prokopf-Ausgaben für Bildung aber nur mittelmässigem Erfolg, Effizienz und Wirtschaftlichkeit kein Sparargument. (Vergl. Verkehr).
Lieber streicht man Gelder bei der Sozialhilfe, KK-Prämienverbilligung, Pensionskassenrendite, Frühförderung, Schulzahnarzt etc.

Harmos bedeutet für mich, dass jedes Kind an jedem Ort dort weitermachen kann, wo es vorher an einer anderen Schule aufgehört hat.
Wenn jedoch ein sehr guter Schüler von Chur nach St. Gallen zügelt, wird er nicht nur wegen fehlender Franzkenntnisse (trotz sehr guten Italienischkenntnissen) von der Sek in die Real sondern auch um ein Schuljahr zurückgestuft inkl. obligatorischem Franz-Nachhilfeunterricht am freien Mittwochnachmittag.

Entweder bestimmt das Quartier, was für eine Quartierschule sie haben möchten und nicht ein quartierfremdes Lehrerkollegium inkl. Schulleiter.
Oder Bundesrat Berset gibt den Tarif durch.

Ich stimme für den Harmosaustritt, damit endlich der Bund für Chancengleichheit aller Kinder in allen Schulen in unserem Land sorgt.

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Eine Antwort zu Richtig Sparen statt Wildwuchs

  1. Klaus Hobi schreibt:

    HarmoS hat nichts mit Harmonisierung zu tun. Das Konkordat wurde 2004 als „strategisch prioritäres Projekt der EDK“ (http://www.edudoc.ch/static/web/arbeiten/harmos/weissbuch_d.pdf) entwickel, um die Volksschule nach ausländischen Vorgaben (OECD/EU) kompetenzorientiert zu gestalten, d. h. die Schulen werden computerisiert und jedes Kind wird zum Einzelkämpfer nach dem Prinzip – friss oder stirb. Durch die Expertokraten der EDK und willige Bildungsdirektoren – wenn möglich noch von der SVP – ist das Schweizer Volk in jedem Kanton einzeln ausgeschaltet worden und hat nichts mehr zu sagen. Filetstück des subversiven Umsturzes der Volksschule (Bürger zahlen und haben nichts mehr zu melden) ist der LP21 – ein wirkliches Monstrum… Sie glauben es nicht? – Lesen Sie einmal eine Seite, das sollte genügen.
    Deshalb: Ja zum HarmoS-Ausstieg als ersten Schritt für eine bessere Schule des Volkes.

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