Bildungsverhinderer

Das Rätsel der tiefen Maturitätsquote

Wer hier von einem Rätsel spricht oder gar einen Bericht fordert, ist unfähig über den Tellerrand hinauszuschauen.
Ein Vergleich mit anderen Kantonen, beispielsweise bei der Kantonsschulaufnahmeprüfung, zeigt, dass in unserem Kanton die Aufnahmekriterien massiv höher sind:

Zürich Aargau

Aufnahmebedingungen Aargau

Basel Stadt

Solothurn

Luzern

Graubünden

So wird zum Beispiel im Kanton Graubünden nur die Erstsprache und Mathematik geprüft?
Wieso ist für St. Galler Schüler, als einzige in der Ostschweiz, Französisch so wichtig?
Vor allem wenn sie schon 4 Jahre Franzunterricht hatten? Was wird in nochmals 4 Jahren noch Zusätzliches gelernt (Subjonctif und passé simple bis zum Lernfrust)?
Selbst in Kantonen an der Sprachgrenze sind die Anforderungen deutlich geringer als im Kanton St. Gallen.
Braucht es 8 Jahre Franzunterricht und 10 Jahre Englischunterricht?
Was bringt eine Franzprüfung den Schülern, die als erste Fremdsprache an der Kanti Italienisch belegen?
Fähig eine Bundesrede orthografisch und grammatikalisch korrekt zu schreiben, aber bei einem Vorstellungsgespräch in der Romandie kann sich jeder einheimische Sonderschüler eloquenter ausdrücken?

In den Nordostschweizer Kantonen gilt das kantonsübergreifende Fricktaler Abkommen. Wer in der Sekundarstufe bei den Promotionsfächern (nicht nur 3 Fächer) mindestens die Note 4,7 erreicht, wird definitiv aufgenommen.
Wer die Kantiprüfung besteht wird definitiv aufgenommen.
Nur wer knapp ist, wird provisorisch für ein ganzes Semester aufgenommen.

Dann der Umfang der Kantiaufnahmeprüfung.
Bsp. Mathe: 90 Minuten ohne Taschenrechner und nochmals 90 Minuten mit.
Pro 90 Minuten ca. 28 Teilaufgaben. D.h. pro Teilaufgabe 2-3 Minuten.
30 Minuten verbraucht man zum Lesen und Verstehen. 30 Minuten Schreibarbeit. Übrig bleiben bloss 30 Minuten zum eigentlichen Rechnen. Zeit zum Überlegen bleibt keine. Intelligente sprich Talente sind daher von vornherein bereits ausgeschlossen. Fachidioten, die unfähig sind, Zusammenhänge zu erkennen werden so gefördert.
In Solothurn z.B. hat man in einer 90 minütige Matheprüfung nur 7 Aufgaben.

In anderen Kantonen ist für die Kantiaufnahmeprüfung ein halber bis ein ganzer Tag reserviert. Im Kantons St. Gallen drei Tage.
Und wäre das ganze Aufnahmeritual bei uns nicht schon aufwändig genug, so hat man dann noch zusätzlich eine kurze Probezeit. Schüler, die mehr Zeit für Integration in eine neue Schule brauchen, bleiben auf der Strecke.

Haben wir durch diese strengen Aufnahmeregelungen die besten Ärzte, Rechtsanwälte,  Mathematiker etc. der Schweiz oder ist das nur ein Sparprogramm bei der Bildung?
Maturaabsolventen haben dafür kaum Klassen auf Primar- oder Sekundarstufe wiederholt.
Gewerbeschule und Berufsmittelschule sind für den Kanton auch nicht gratis. Wenn man denn einen Lehrbetrieb noch findet, der bereit ist, eine BMS absolvieren zu lassen.

Bei einer Maturitätsquote von nur 12 % im Kanton St. Gallen, kann kaum von dualem System sondern eher von Lehrstellenzwang gesprochen werden.

Die Löhne der Leute mit Lehrabschluss ist in den letzten 20 Jahren nur um 5% gewachsen.
Die fehlenden Fachleute holt dafür unser Kanton aus dem Ausland oder aus anderen Kantonen oder bleibt für alle Zeit finanzausgleichabhängig.

Die Kantiaufnahmeprüfungsersteller betreiben nicht nur Bildungspolitik sondern auch Sozial- und Wirtschaftspolitik.

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Eine Antwort zu Bildungsverhinderer

  1. Pingback: Stadt kein urbanes Gebiet? | St. Gallenblog

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