Neubau Naturmuseum

Wenn die Natur ins Museum gehört, dann steht es nicht besonders gut um unsere Natur.
Was mit diesen vielen Millionen Franken zB. für die Artenvielfalt auf städtischem Boden erreicht werden könnte, wäre für die Natur und die Menschheit ein weitaus grösserer Gewinn.
Ist es sinnvoller ein Löwengehege im Zoo artgerecht auszubauen oder mit dem gleichen Geld den Lebensraum von Löwen zu erhalten?
Muss man in ein Museum, um den Wert von Natur wahrzunehmen? Reicht nicht auch mehr Wahrnehmung von Natur direkt vor der Haustüre?
Nicht mal Boden in städtischem Besitz (auch im Baurecht) werden mit Verpflichtung auf naturnahe Gestaltung „verwaltet“.

Beispiele auf einem nur 10-minütigem Spaziergang im Quariter , zT mit Flächen im Besitze der Stadt:

Und wenn dann einer noch ein paar m2 Gartenfläche zur Naturwiese macht, dann laufen die Nachbarn Sturm und erzwingen mit Hilfe des Bauamtes, dass die Fläche wieder zum monotonen Rasen umfunktioniert wird, weil sonst nicht ins Quartier passend.

Wer vor allem kleinere Kinder zb. auf dem Kindergartenweg bei Regenwetter beobachtet, wie diese fast jede Schnecke wahrnehmen und sich dafür interessieren.  Wie sie alles was kreucht und fleucht, wie sie plötzlich neu aufgegangene blühende Blumen an bekannten Orten wahrnehmen, weiss, dass das Interesse für die Natur/Umwelt in der Natur des Menschen liegt. Zumindest solange sie noch Kinder sind.
Wieso dieses Interessen nicht direkt in Schulen und Kindergärten aufnehmen?
Nein, die lernen, wenn überhaupt mal etwas Umweltbildung angeboten wird, über das Verhalten von Hunden, über Dinosaurier, über exotische Flora und Fauna in fernen Ländern, aber nichts über einheimische Schnecken, Heugümper, Löwenzahn,  (dass alle St. Galler Französisch können scheint für den Fortbestand der einheimischen Bevölkerung massiv wichtiger (Promotionsfach!)).
Und wenn sich dann mal eine Wespe oder sonst ein Krabbeltier ins Schulzimmer verirrt, beginnt ein Wettbewerb unter den Schülern, wer es als erster schafft, diese zu zutodezutrampeln.

Wer braucht heutzutage noch ein Naturmuseum ausser als alternatives Familienprogramm an einem verregneten Sonntagnachmittag?

Ausser noch Netz Natur auf SFDRS alle paar Monate gibt es ja kaum mehr Sendungen am Fernsehen, die Einblicke in die nicht menschgemachte Natur bieten. Bei den meisten anderen Sendungen geht es nur noch um Haus- oder Zootiere.

Haben die Quartierbewohner gratis Zugang zum diesem Monumentbau, weil es für die Belebung des Quartiers sorgen soll, wenn sie schon die spärlich vorhandene Grünfläche zur Verfügung stellen.

Wenn diese Fläche

  • eine ökologische Ausgleichsfläche mit Blütenpracht heimischer Flora und entsprechendem Lebensraum für Fauna,
  • ein Quartiertreffpunkt mit Sitzgelegenheiten in schattiger Umgebung für Pensionerte mit Wasserspiel daneben für Quartierkinder,
  • ein Treffpunkt für Jugendliche am abend

usw. wäre, dann wäre kaum einer dafür, dass dieses „Baulücke“ geschlossen wird.

Besonders im betroffenen Quartier. Die werden kaum angefragt, wie ihre spätere Quartierumgebung auszusehen hat.
Alles wird zentral in Waag- und Rathaus entschieden.
Oder aber interessiert es einen Winkler, an was für einem Gebäude statt Wiese ich täglich vorbeilaufen darf?
Vom zuständige Quartierverein ist wieder mal nichts zu hören, obwohl gemäss Stadtrat diese verstärkt in die Quartierentwicklung mit eingebunden werden.
Scheint mehr ein Folklore- statt ein Quartierverein zu sein trotz Stadtratsblog: Quartierentwicklung

Wie wäre eine Überdachung der Autobahn vom Portal Harzbücheltunnel bis Ausfahrt Neudorf. Darauf das Naturmuseum.
Und ein Geh-Radwegverbindung könnte gleichzeitig auch eingerichtet werden.

Muss man ins Naturmuseum oder mit dem Auto oder öV in die Berge, um Natur zu erleben?
Was meinen wohl die Quartierbewohner, wenn sie neuerdings statt einer Blumenwiese einen Betonbau in ihrem Quartier anglotzen müssen?

Für die bewältigung des orstfremden Autoverkehrs werden hunderte Millionen selbst vom Bundesamt für Tunnelbauten in Aussicht gestellt.
Wieso kann darum nicht auch beim existierenden Museum ein mehrstöckiger Tiefausbau erfolgen? Braucht ein Museum Tageslicht?
Ist Geld für ortsfremden Autoverkehr im Überfluss vorhanden aber nicht für adäquate Museen?
Muss man Natur zerstören, um Natur zu zeigen?

Dann soll das Naturmuseum mehrheitlich durch neue Schulden finanziert werden.
Besonders in der heutigen Zeiten der Konsolidierung von öffentl. Haushalten resp. wo das Bewusstsein überall herrscht, dass Schulden kaum mehr durch zukünftiges Wirtschaftswachstum finanziert werden können.
Besonders in Volkswirtschaften, die die öffentliche Versorgung nur noch durch im Ausland erzielte aber in der Schweiz versteuerte Gewinne finanzieren kann (zB. Glencore) und deren Grenznutzen seit vielen Jahren immer massiver abnimmt (Abnahme der zusätzlicen Nutzens pro investierter Geldeinheit)?

Zudem geht das Naturmuseum von einer um 66% höheren Besucherzahl aus. Was wenn diese Frequenzen nicht erreicht werden resp. aufgrund der Randlage tiefer ausfallen?
Der jährlich zu deckende Fehlbetrag wird für die Stadt dann noch höher sein. Oder werden dann im Naturmuseum die Löhne gekürzt oder Stellen abgebaut?
Wenn wenigstens kostendeckende Eintrittspreise verlangt würden und ein allfälliges Defizit resultiert alleine durch verbilligte Eintritte für Einheimische.

Eines der letzten Fotos in meinem Leben von einer freien Wiese im Quartier mit soviel Potenzial für die Natur und für die Integration deren Anwohner:

"Ehemalig" freie Wiese vor Bau des Naturmuseums

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Über gallenblog

gallenblog@gmail.com
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2 Antworten zu Neubau Naturmuseum

  1. gallenblog schreibt:

    Antwort auf Leserbrief von Thomas Schwager: http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/stadtstgallen/tb-st/Naturmuseum-macht-Schule;art186,3191070

    Nur weil für zig Millionen ein neues Naturmuseum gebaut wird, werden Schulklassen nicht öfters Umweltbildung geniessen können.
    Mein Sohn in der 6. Klasse war in seiner bisherigen städtischen Schul- und Kindergartenzeit 2 mal, meine Tochter in der 3. Klasse noch nie mit der Schule im Naturmuseum.

    Was ist nachhaltiger für eine zukünftige Gesellschaft: Französisch als Promotionsfach oder genügend Respekt vor der heimischen Flora und Fauna?
    4 Lektionen Französisch plus unzählige Hausaufgaben pro Woche oder wenigstens ein mal pro Woche mit der Klasse in den Wald?
    Wo engagieren sich die Grünen für mehr Umweltbildung an städtischen Schulen?

    Man kann auch aus anderen Gründen gegen das Naturmuseum sein als die SVP, weil man findet, dass das Geld anderenorts besser für Umwetbildung von Kindern eingesetzt werden könnte. ZB. für Gratiseintritte für städtische Kinder.

    Ich bin kein SVP-Wähler, trotzdem bin ich froh, dass wenigstens diese Partei es zT. dem Stimmbürger ermöglicht, auch im zentralistisch und parlamentaristisch geführten St. Gallen, eine andere Meinung zu haben.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Eulenspiegelei mit Steuergeldern – St.Galler Tagblatt Online | St. Gallenblog

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