Unfähig zur Verkehrspolitik?

              SchibenertorSchibenertor

Wer angesichts obiger Bilder von „Verteufeln des Autoverkehrs“ spricht (CVP Stadt-Chef und TCS-Regionalpräsident Martin Würmli, Stadtparlamentskandidat Piraten Tek Behre), scheint diesen als Religion aufzufassen.
Könnte man aber fast denken, wenn man sich zB. die Kreuzbleiche anschaut oder die 12 Autospuren beim Schibenertor vergegenwärtigt. Aber keine einzige Velospur.
Ganze Strassenzüge vor historischen, denkmalgeschützten Gebäuden mit parkierten Fahrzeugen vollzustopfen fördert auch nicht gerade ein attraktives Stadtbild.

Laut Martin Würmli brauchts eine zusätzliche Tiefgarage, um den Suchverkehr zu reduzieren.
Dabei haben wir in der Stadt ein Parkleitsystem, dass problemlos den nächsten Zugang zu einem freien Parkplatz anzeigt.
Was Suchverkehr in der Stadt auslöst, sind die vielen viel zu billigen, sogar billiger als in den Tiefgaragen, oberirdischen Parkplätze.
Dabei wäre es doch gescheiter, zuerst die Tiefgaragen zu füllen, bevor Autos den knappen oberirdischen Freiraum verstellen.

Viel zu viel Verkehrsinfrastruktur wird für Pendler und nur während der Stosszeiten missbraucht, die dann fehlt resp. ausgebaut werden, wenn jemand noch zum Facharzt, etwas Sperriges abholen, Gehbehinderte transportieren etc. muss.
Es ist daher ein Widerspruch, wenn das Gewerbe nach mehr Parkplätzen ruft, aber die meisten Parkplätze bereits von Berufspendlern besetzt sind.
Genauso die Klagen des Transportgewerbes nach mehr Strassen. (Wenn 5% der Verkehrsfläche einer Autobahn benutzt wird, ist ihre Kapazitätsgrenze erreicht).
Alles nur damit einer im steuergünstigen Grünen 10 Minuten länger im Bett liegenbleiben kann?
Damit 80% alleine in einem 5-plätzigen Auto sitzen können?
Damit alle um die gleiche Zeit zur Arbeit und wieder nach hause können?
Sein Fahrzeug wegen 20 min  für die Fahrt zur Arbeit brauchen, es dann 8 Stunden leerstehend und unbenutzt 10m2 städtische Fläche verbrauchen lassen kann?

Dabei geht es genau um vermehrte Trennung von Berufspendlern und Kunden, resp. um die wirklich aufs Auto Angewiesenen.

Da werden beim Manor illegal erstellte Parkplätze im nachhinein als Privatparkplätze genehmigt.
Private Firmenparkplätze, vor allem wenn sie nicht mal Kundenparkplätze sind, generieren vielleicht weniger Fahren, aber dafür meist in den Stosszeiten, wenn die Strassen sowieso schon verstopft sind.
Ist es für die Stadt wichtig, dass das gutverdienende, in der steuergünstigen Agglo wohnende Kader immer einen freien Parkplatz in der St. Galler Innenstadt direkt beim Arbeitsplatz hat?

Die Stadt hätte mehr als genügend Möglichkeiten, um den Verkehr in der Stadt effizient, ökonomisch und vor allem rationaler selber zu gestalten.
Nur ständig mit dem Finger auf Kanton, Bund oder Eigenverantwortung der Bürger zu zeigen, für das brauchen wir keine städtischen „Politiker“.
Wenn ich auf unsere Strassen schaue, scheint die Verkehrspolitik der SVP eindeutig mehrheitsfähig, obwohl die meisten anders wählen.

  • Einheimischenbevorzugung bei Parkplätzen analog heute für Gewerbefahrzeuge.
  • Zeitlich differenzierte Parkplatztarife gemäss Nachfrage.
  • Förderung von Fahrgemeinschaft durch Carpool-Lanes/Benutzung von Busspuren.
  • Förderung des kombinierten Verkehrs zB. P&R am Stadtrand bei Autobahnausfahren oder zusammen mit den Vorortgemeinden an deren öV-Haltestellen (Würmlis Parteikollege Pendlerabzugssenker RR Würth dankt sicher für die politische Unterstützung).
  • Gratis Veloverleih gebaut und unterhalten durch die Projekt-Werkstatt.
  • Büros ohne Kundenkontakt/Laufkundschaft vermehrt an die Peripherie (z.B. Altenwegen, während der Bürozeiten sind in den umliegenden Einkaufszentren genügend Parkplätze vorhanden)
  • den Umzug in die Nähe von Infrastruktur statt das Pendeln steuerlich begünstigen
  • etc. usw.

Es gäbe so viele andere Möglichkeiten und Ideen, die sich irgendjemand schon mal ausgedacht, ausprobiert und umgesetzt hat und die immens billiger wären statt ständig nur bauen, bauen, bauen.
Sonst gewinnt man kein Image als Innovationsstadt, sondern behält das rückständige Bratwurstimage wie Scheitlin bei „SF bi de Lüt“ beim Wurstvertilgen.

Wie wäre die Vision: St. Gallen die grösste autofreie Stadt der Welt.
Bei den ständig weniger werdenden Ressourcen und bei ständig mehr Nachfragern danach wird das früher oder später sowieso für alle Realität.
Dann wäre unsere Stadt auf einen Schlag wieder weltbekannt, weil rund um den Globus alle Medien von St. Gallen berichten würden, und nähme eine Pionierrolle ein, die ihr für lange Zeit Wohlstand und Lebensqualität garantieren würde.
Aber soviel Progressivität passt nicht mehr zum heutigen St. Gallen, sondern ins 19. Jahrhundert während der Stickereiblüte?

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2 Antworten zu Unfähig zur Verkehrspolitik?

  1. Pingback: St. Gallenblog

  2. Markus Engelhardt schreibt:

    Parkplatztarife gemäss Nachfrage wäre eigentlich ein Urliberales Konzept. Aber der sozialisitische Stadtrat setzt lieber auf Gleichheit und Subvention. Obwohl kein Sozi mehr im Stadtrat sitzt. LOL.

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