Neigung

Herisau verbessert seine Standortattraktivität durch Einführung des national vielbeachteten Schulmodells „Neigung„.
Wie die meisten anderen Agglogemeinden: uva. zB Speicher.

Kleinstgemeinden wie Quinten, Quarten etc. wird noch zur Erhaltung der Dorfschule kindsentwicklungsgerechte Schulbildung (egal ob geistig behindert oder Supertalent, alle Kinder dürfen sich in ihrer sozialen Umgebung weiterbilden lassen) zugestanden, jedoch nicht in den heterogensten Schulquartieren des Kantons in der Stadt.
Da kommt die SVP-Politik unseres Bildungsdirektors zum Vorschein: homogenen Randgemeinden wird viel Spielraum gegeben, in Wirtschaftszentren mit überdurchschnittlich vielen Migrantenfamilien (obwohl viele Stadtbürger nicht hier aufgewachsen sind und darum auch Migranten sind, auch wenn nicht Ausländer) ist man extrem restriktiv.
Und die Schuldirektorinnen der letzten Jahre haben nichts anderes zu tun als SVP-Politik auf ihre Stadtkinder anzuwenden, um ja keinen Rüffel des Bildungsdepartementes einzufangen, trotz dass keine Gemeinde soviel eigene Schulentwicklungsmöglichkeiten hätte wie die Stadt St. Gallen.

Die Stadt Zürich ist in Konkurrenz mit urbanen Gemeinden in ihrer Agglo, während die Stadt St. Gallen nur von Landgemeinden eingekerkert ist.
Zürich hat aber als erste im Kanton die Basisstufe eingeführt, kann es sich leisten die Tagesschule light einzuführen, obwohl sie einen tieferen Gemeindesteuersatz als die steuergünstigste Gemeinde unseres eigenen Kantons hat, dh. die besten sprich kindentwicklungsförderlichsten Schulen trotz sozial unterschiedlichsten Quartieren finanzieren kann.

Basisstufe heisst in Zürich, die für Kinder wohnnahen Kindergärten durch Entlastung der Kindergartenlehrerinnen mit pädogischer Unterstützung zu fördern.
In St. Gallen sieht man nur bildungskostenfremde, teure bauliche Massnahmen statt in die Ausbildung von Kindergartenlehrer/-innen und Grundstufenpersonal zu investieren, damit Kinder in ihrer nächsten sozialen Umgebung, sprich Kindergarten, 2 Jahre länger ausgebildet werden könnten und so auch die Primarschule entlasten.

KidS ist nur ein Kniefall vor dem Kanton und nicht ein Mittel um zB. Pierin Vinzenz, CEO der Raiffeisen, dazu zu bewegen, das oberste Stockwerk des Raiffeisengebäude in der Innenstadt zu seinem Wohnsitz zu machen und seine Kinder in die St. Leonhardsschule zu schicken.

Aber sicher nicht in der Stadt und Kanton St. Gallen. Da wird immer noch darüber diskutiert, wie man die „Flade“ zwingen kann, eine Realschule einzuführen.

Als ich vor 30 Jahren im Rheintal zur Schule ging, gab es bereits Leistungsstufen S1 (Real),  S2 (Sek), S3 (Untergymnasium) an jeder Oberstufe in jeder Schulklasse.
Alle Kinder, die bereits Kindergarten und Primarschule zusammen durchlebt haben, konnten weiterhin zusammen in die gleichen Klasse an die Oberstufen.

Der Stadt St. Gallen mit ihren heterogensten Kindern in der ganzen Ostschweiz ist es scheinbar egal, ob gewachsene soziale Beziehungen unter Kindern im Quartier durch das Diktat eines ortsfremden Primarlehrers als Oberstufenzuteiler für alle Zeiten auseinandergerissen werden: hier gehen die zukünftigen Sozialhilfeempfänger zusammen zur Oberstufe, dort der arbeitende Mittelstand und nur an einem anonymen Ort die wenigen mobilen Hochqualifizierten zum Untergymnasium.
Keine Oberstufe in der Stadt, die Platz für alle Kinder des Quartiers hat.

In der Stadt St. Gallen muss man noch froh sein, wenn das Kind in eine Kleinklasse eingeteilt wird, wo es wenigstens seinen Ressourcen entsprechend gefördert wird.

Wieso keine Lernzielbefreiung für alle Kinder, damit jedes Kind seinen individuellen Lernzielen entsprechend in seiner sozialen Umgebung optimal gefördert wird, wie es in der Agglo schon seit langem Standart ist und dort als Standortattraktivität hervorgehoben wird?
Für  Platzverschönerungen, Strassenbauprogramme, Museen, Energieverschwender, etc. auch für die föderalismusfremde Region ist in der Stadtkasse genügend Geld vorhanden, für attraktive Schulen und kindgerechte Quartiere in  der Stadt nicht?

Da wird in Herisau wenigstens an der Oberstufe ergonomische Computerarbeitsplätze eingerichtet. In der Stadt St. Gallen ist es egal, wenn bereits Primalschüler stundenlang sitzen müssen und täglich über 10 kg Schulmaterial für die Hausaufgaben nach hause tragen müssen.
Den Schulärztlichen Dienst interessiert nur, ob die Wirbelsäule gerade ist, und nicht, was zur lebenslangen Deformierung dieser geführt hat. Hauptsache Kindergartenkinder können einen Purzelbaum.
Dieser Dienst interessiert sich scheinbar nur für Symptombekämpfung. An einer entwicklungsförderlichen Umgebung und Lebensraum ist er nicht interessiert. Genauso beim Schulpsychologischen Dienst, der keinen Einfluss auf Schul- und kindergerechter Quartierentwicklung trotz bestem Fachwissen diesbezüglich aller Behörden der Stadt hat, aber nur in letzter Minute bei reglementarisch vorgeschriebenen Schulzuweisungen „zu Rate“ gezogen wird.

Schultag eines 5. Klässlers letzten Montag: Besammlung um 7.30 Uhr vor der Schule, mit übervollem Bus zur Kinderfestwiese zur Probe. Um 10.30 Uhr zurück. Dann Englischprüfung bis 11.50 Uhr. Nachmittags eine Mathe- und eine Französisch-Prüfung. Schulschluss um 16.30 Uhr. Der Schulthek war so voll, dass er noch Schulbücher im Plastiksack nach hause tragen musste. Dann noch Hausaufgaben bis 18.50 Uhr.
Wo bleibt die Freizeit für Bewegungsförderung, für soziale Kontakte? Die Energie für die Freude am Kinderfest und an der Bildung?

Für den schulärztlichen Dienst müssen aber ganze Klassen für ganze Halbtage aus dem Unterricht herausgerissen werden (die Ausfallstunden werden durch mehr Hausaufgaben kompensiert), damit Stadtkinder kontrolliert werden können. Dabei hat es in St. Gallen das dichteste Netz an Kinderärzten in der ganzen Ostschweiz.
Wie wäre es mit einem Gratis-Gutschein (wieso werden die Erfahrungen aus der Gutscheinaktion der Stadt nicht weitergeführt?) für Stadtkinder, wo sie diese kantonal vorgeschriebene schulärztliche Untersuchung bei ihrem eigenen Kinderarzt unentgeldlich vornehmen können?
Genauso beim schulzahnärztlichen Dienst?

Wer Kinder hat und sich das Pendeln leisten kann (wofür die Stadt Millionen Steuereinnahmen Einheimischer aufwendet), nimmt wohl kaum Wohnsitz in der Stadt.

Muss die Stadt am attraktivsten sein für Familien mit Kindern, die ausserhalb wohnen?
Ist die Schweiz attraktiv für Kinder, deren Eltern mehr Zeit fürs Pendeln investieren als für sie (Kinderkrippen mit hochqualifizierter, staatlich geprüfter Betreuung werdens schon richten)?
Hauptsache der Zuzug von guten ausländischen Steuerzahlern und Steuerhintergehern ist gewährleistet?

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