Bahn-Y in der Ostschweiz

Unsere beiden st. gallischen Ständeräte haben sich zusammengetan, um miteinander zu vereinbahren, wie man dem Bund Gelder für die eigene Region resp. für den föderalistisch eigenen Verwantwortungsbereich abzwacken kann.
Oder warum soll der Bund für etwas zahlen, das nur die Ostschweizer betrifft und nicht von Nutzen für das ganze Land ist?

Nichts gegen Massenverkehrsmittel.
Aber die Verkehrszahlen zeigen, dass mit massiven Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur kaum auf effizientere Verkehrsmittel umgestiegen wird, sondern dass dadurch die Bevölkerung nur immer mehr Zeit für die Mobilität aufwendet, das Land immer zersiedelter wird und der nicht verursachergerechte Steuerwettbewerb gefördert wird.

Die Y-Ast-Enden Richtung St. Gallen und Kreuzlingen kann man noch verstehen. Aber in Chur?

Wo geht man von dort hin?

Ist das nur eine Investition für den bündnerischen Tourismus?

Die SBB selbst widerspricht diesem Ständeratanliegen mit Verweis auf die besser frequentierte Verbindung von Zürich nach Chur.

Für Ostschweizer (auch viele Süddeutsche und Vorarlberger) aus dem Bodenseeraum ist aber in Chur Schluss, weil für die Weiterreise auf die Anschlüsse aus Zürich gewartet werden muss.
Scheint der öV ins Bündnerland sind nur Zweitwohnungenexpresse und antivolkswirtschaftliche Sesshaftenzüge.

Wer von der Hauptmetropole St. Gallen Richtung Welt will, mus im öV zuerst die Ostschweiz durchqueren, damit er aufgrund der Haltestellen merkt, dass er in einem IC sitzt.

Wenn es wenigstens von Chur aus eine schnelle und günstige Weiterverbindung Richtung Süden hätte.

Es wäre eigentlich problemslos möglich, von St. Gallen in 2 1/2 Stunden in Bellinzona oder Chiavenna zu sein.
Wenn für Ostschweizer öV-Benutzer, wie deren Autofahrende, der San Bernadino oder Splügenplass als schnellste und direkteste Verbindung Richtung Italien eingerichtet wäre.

Aber bis jetzt ist man nicht nur schneller sondern auch billiger von St. Gallen, trotz deutlich weiterem Weg, über den Gotthard im Tessin.

Die Megainvestition Neat muss jedoch rentieren und darum soll möglichst alles, wenn auch mit weiterem Anfahrweg, durch den NEAT-Gotthardtunnel geschleust werden.

Das demokratisch verlangte Verlagerungsziel des Güterverkehrs kann eh nicht mehr umgesetzt werden.
Dann setzt man auf hohe Gewinnspanne beim Personenverkehr. Obwohl diese Investition in den längsten Eisenbahntunnel der Welt keinen volkswirtschaftlichen aber für den gewinnabwerfenden (oder weniger Kosten verursachenden) betriebswirtschaftlich operierenden Staatsbetrieb sorgen.

Rechnet man den Preis pro CH-Bewohner für die Neat auf Deutschland hoch, dann könnte Deutschland alleine ganz Griechenland vor dem Bankrott retten.

Trotz NEAT spürt aber kaum ein Bürger den volkswirtschaftlichen Mehrwert.

Wo bleibt der volkswirtschaftliche Nutzen der NEAT, der bereits beim Lötschberg nicht mehr gefordert wird, und von dem mehrheitlich nur Ferienwohnungsbesitzer im Wallis aus dem Mittelland einen Nutzen haben.

Richtung Italien ist nicht mehr nur noch für den Güterverkehr Sense, sondern immer mehr auch für den Personenverkehr in Chiasso.
Am gleichen Tag das Velo nach Italien mitnehmen oder von Italien damit in die Schweiz einreisen, ist fast nicht mehr möglich.
Obwohl Zug und Velo 99,99% aller Mobilitätsbedürfnisse befriedigen könnten.

Ich bin immer noch der Überzeugung, dass die vom Bund versprochene NEAT von Thusis nach Chiavenna einen deutlich höheren Nutzen für die Schweiz gebracht hätte, als die Mehrspurigkeiten von mehreren Verkehrsträgern beim Gotthard und beim Lötschberg.

Unsere Verkehrspolitik misst sich an regionalen Befindlichkeiten und ideologischen Grabenkämpfen statt an global wettbewerbsfähigen Massstäben.

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