Schneeräumung

Manche Mitbürger scheint nicht bewusst zu sein, dass es auch in der Schweiz Winter gibt, die von den hiesigen Menschen eine gewisse Anpassungsfähigkeit erfordert.

Noch vor ca. 20 Jahren wurde nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch aus Kostengründen, der reduzierte Winterdienst eingeführt.
Heutzutage wird jedoch jedes kleinste Quartiersträsschen schwarz geräumt inklusive des danebenliegenden Trottoirs.

Selbst Kinder schaffen es darum nicht mehr ihre Bobs und Schlitten bis zum nächsten Schlittelhang zu tragen, weil sie ihn mangels Schneeunterlage nirgends ziehen können, und sind darum auf die Mithilfe von Erwachsenen angewiesen oder müssen wegen dieser Abhängigkeit ganz darauf verzichten. Die Schule muss dann dafür einen Schlitteltag durchführen, damit alle Schüler mal dieses Erlebnis durchgemacht haben, was dann als Bildungsausgaben verbucht wird.
Schlittelstrassen, noch vor wenigen Jahrzehnten in der Stadt St. Gallen eine Selbstverständlichkeit, sind nicht mehr vorhanden.

An einem durchschnittlichen Winterdienst-Tag werden gegen 10 Tonnen Streusalz benötigtso die Information aus Gossau.
Wieviel verbraucht eine Stadt wie St. Gallen? Wohin geht dieses Salz? Werden dadurch unsere Flüsse und Bäche zum Nachteil der dortigen Flora und Fauna übersalzen? Oder sind das „nur“ weitere der Allgemeinheit übertragenen Kollateralschäden resp. -Kosten, die der private Berufspendlerverkehr verursacht, damit man in steuergünstigen Gemeinden wohnen und trotzdem gleichlang im Bett liegen bleiben kann wie an einem trockenen Sommertag, obwohl man den Arbeitsplatz in der momentan verschneiten Steuerhölle Stadt St. Gallen hat?

Die Schneemaden werden nicht mehr fachgerecht entsorgt, weil sie voll Abfall, hoch salzgehaltig oder voller Strassenverkehrsabgasgiften sind, sondern werden mittels Schneefräse in die Vorgärten der Anwohner geschleudert.
Die Gartenbaufirmen und das -amt freuen sich im Frühling auf die Mehrarbeit, die sie durch den Ersatz der vielen strassennahen und daher abgestorbenen Büsche und Bäume haben.

Wenn es dann tagelang stark schneit, sodass nicht mal die Hauptverkehrsachsen vom Schnee geräumt werden können, läuft der Verkehr trotzdem. Selbst die VBSG-Busse konnten in den letzten Wochen trotz „prekärer“ Strassenverhältnissen den Fahrplan problemlos einhalten (hier ein Lob an die Verkehrsbetriebe, die wenigsten für die vielen Millionen Steuerfranken inkl. höherer Billetpreise (aber immer noch viel zu billig Mobilität anbieten) nun wintertaugliche Busse angeschafft haben). Auch in vollen Frischwarengestellen der Einkaufsläden und an sonstigen Arbeitsorten florierte die Wirtschaft wie an einem schönen Frühlingstag.
Ich benutze den Bus nur, wenn ich mit den Kindern zur Ludothek, zum Impfen zum Schularzt oder ähnlichem in die Innenstadt muss. Mit Kindern mit dem Velo in die Innenstadt kann man als verantwortungsvoller Elternteil nicht risikieren ausser man ist Ideologe.
Soviel zur freien Verkehrsmittelwahl.

Meiner einer steht bei starkem Schneefall lieber eine halbe Stunde früher auf und stapft frühmorgens durch die tiefverschneite Stadt statt wie üblicherweise mit dem Velo zum Arbeitsplatz zu fahren. Das liefert mir mehr Eindrücke und Erlebnisse als eine Lokiremise, ein Kugl oder ein Stadttheater zusammen jemals bieten könnten.

P.S. Wer Schnee gar nicht mag, kann ja nach Haiti ziehen. Dort ists garantiert ganzjährig schnee- und eisfrei. Dort gibts Wohnungen, die man auch im Winter kurzärmlig bewohnen kann. Bei uns brauchts dafür und vor allem fürs gute Gewissen eine Geothermieanlage.

Wann hört endlich die 5-er und Weggli-Mentalität auf. Man kann nicht reich und frei resp. unabhängig und selbstbestimmt sein.
Ich persönlich bevorzuge die Freiheit und lebe lieber mit meiner Familie weit unter dem schweizerischen Existenzminimum, wie es richtige Schweizer vor Urzeiten schon vorgelebt haben: lieber hungern bis zum Frühling als vor Gessler den Hut ziehen.
Wir müssen in Hinblick auf sicher zunehmende Globalisierung und eventueller Klimaerwärmung unsere Bedürfnisse mehr auf die vorhandenen Ressourcen im eigenen Land ausrichten.

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2 Antworten zu Schneeräumung

  1. martin schreibt:

    Ich arbeite 1 bis 2 Tage in der Stadt SG, sonst in ZH. Mir fällt auf, wie sehr viel fleissiger in SG die Schneeräumer sind. Mir kommt es vor, dass hier möglichst schnell möglichst viele Überstunden geschrieben werden müssen, bevor es warm wird und der Schnee ganz automatisch wieder verschwindet. Habe nur ich diesen Eindruck?

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  2. gallenblog schreibt:

    Hab nichts dagegen, wenn die Schneeräumung auch als Beschäftigungsprogramm für sonst IV-Bezüger, Sozialhilfeempfänger etc. benutzt wird.
    Aber gleich Schweizer Meister und das als schneereichste Stadt der Schweiz: http://php.blick.ch/baa_epaper/2012-12-11_sg.pdf

    Zeigt auch, dass in der Stadt St. Gallen der MIV die höchste Priorität in der Verkehrspolitik hat.
    Egal wieviel „föderalistische“ Steuergelder das den Stadtbewohner kostet (hab mal gehört von 300´000 Fr./Tag).

    Erstaunlich: während in St. Gallen alle Quartierstrassen schwarz geräumt sind, sind diese in deutlich tiefer liegenden Rheintalgemeinden weiss resp. nur gesplittet oder gesandet.

    Die Stadt St. Gallen scheint sich nicht um die versalzenen Strassenabwässer zu kümmern. Fliesst ja alles Richtung Trinkwasserspeicher Bodensee.

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