Ozon-Werte, Mail an W. Haag

Wie im Winter so auch Sommer nach wenigen schönen Tagen werden die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung massiv überschritten. Daher habe ich ein Mail an Regierungspräsident Willi Haag geschrieben:

Guten Tag Herr Haag
Was für Massnahmen trifft der Kanton gegen die momentan massiv erhöhten Ozonwerte? http://www.ostluft.ch/index.php?id=8
Dürfen meine Kinder nicht mehr mit dem Velo in die Badi und muss ich ihnen dort das Herumrennen verbieten?
Wartet die Regierung nur noch auf das nächste Tiefdruckgebiet?

Anwort:
Zwar bin ich nicht ‚die Regierung‘ – habe aber von einem Mitglied dieses Gremiums den Auftrag erhalten, Ihnen die angesprochene Problematik zu erläutern.
Die derzeit erhöhten Ozonwerte sind ein grossräumiges, alljährlich wiederkehrendes Problem mit weitgehend bekannten Gesundheitsrisiken. Ebenso wie die winterlichen Belastungsphasen ist auch dieser ‚Sommersmog‘ letztlich eine Folge der übermässigen Emissionen von Vorläuferschadstoffen (insbesondere Stickoxide und Kohlenwasserstoffe).
Leider kann eine kantonale Behörde diese Problematik grundsätzlich nicht ‚lösen‘ – schon gar nicht wenn sich die Sekundärschadstoffe bereits gebildet haben (…das Reizgas Ozon ist ja ’nur‘ die Leitsubstanz). Bestenfalls kann eine Behörde vorgängig ihren Beitrag zur Problemminimierung leisten.
Letztlich sind wir alle (mit)verantwortlich für die Qualität unserer Atemluft und tragen täglich unseren Teil dazu bei, in die eine oder andere Richtung – beispielsweise mit der Art und dem Umfang unseres Mobilitätsverhalten oder dem Betrieb hochemittierender 2-Takt-Motörchen: die Folgen sind an sich bekannt, hör- und riechbar, und werden manchmal auch mehr oder weniger direkt spürbar.
Was das ‚Schutzverhalten‘ betrifft raten m.W. Gesundheitsfachleute davon ab, Kindern (ohne die bekannten Symptome) jegliche Schönwetteraktivitäten zu ‚verbieten‘ aus vorsorglicher Angst vor (grundsätzlich reversiblen) Ozonwirkungen. Vernünftigerweise sollte man sie aber mindestens in der grössten Nachmittagshitze nicht zu körperlichen Hochleistungen im Freien ‚zwingen‘.
Mein Tipp:
Gönnen Sie Ihren Kindern die Velofahrt in die Badi und sorgen Sie primär dafür, dass sie dabei nicht unter die Räder von einem der vielen Mitverursacher dieser leidigen Problematik kommen.
Mehr Informationen zu den von Ihnen angesprochenen Fragen inklusive Verhaltensempfehlungen finden Sie in hier: http://www.ozon-info.ch (Bitte beachten Sie insbesondere ‚Mein Beitrag‘ sowie ‚Beitrag der Behörden‘).
Mit bestem Dank für Ihre Beiträge zur Emissionsminderung und freundlichen Grüssen:
Thomas Brunner
Sektion Luftqualität
_________________________________

Baudepartement des Kantons St.Gallen
Amt für Umwelt und Energie (AFU)
Lämmlisbrunnenstr. 54, 9001 St.Gallen
Tel. direkt:             + 41 71 229 42 51
Fax:                      + 41 71 229 21 33
thomas.brunner@sg.ch
http://www.afu.sg.ch
http://www.ostluft.ch
—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Freund Susanne BD-AFU
Gesendet: Donnerstag, 1. Juli 2010 14:45
An: Brunner Thomas BD-AFU
—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: Müller Rebekka BD-GS Im Auftrag von Haag Willi BD-GS
Gesendet: Donnerstag, 1. Juli 2010 07:56
An: Freund Susanne BD-AFU
Betreff: WG: Ozonwerte
Bitte an die entsprechende Person zur direkten Beantwortung weiterleiten.
Besten Dank
Willi Haag
Vorsteher und Regierungspräsident

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr Brunner

Besten Dank für ihre Bemühungen, mir eine nachvollziehbare Anwort zu
schreiben.
Wenn man schon mehrmals pro Stunde Staunachrichten in allen Radiosendern
anhören muss, selbst die Pollenbelastung wird auf Staatssendern fast
stündlich wiederholt, dann könnte man wenigstens auch stündlich auf die
momentan erhöhte Luftschadstoffbelastung hinweisen (besonders nach 17.00
Uhr wird das Radiohören für Nicht-Autofahrer zur Tortur). Und das nicht
erst bei massiver Überschreitung der Grenzwerte. Sondern wenn aufgrund
der Wetterprognosen zu erwarten ist, dass in den nächsten Tagen diese
Werte ohne Verhaltensänderung massiv erhöht sein werden. Statt erst bei
240microgr/m3 könnte man die Bevölkerung bereits bei 120, am besten
während der beliebten Wetterprognosen, auffordern, in den nächsten Tagen
wenn immer möglich auf Autofahrten, den Betrieb von 2-Takt-Motoren etc.
zu verzichten oder noch besser bei diesem idealen Wetter auch für die
eigene Gesundheit mal eine Strecke zu Fuss oder per Velo zu absolvieren,
damit die Grenzwerte gar nie so massiv überschritten werden.
Das wäre wenigstens ein Appell an die eigenverantwortliche Prävention
statt nur Symptombekämpfung, die dann nur wenig bringt und darum von
verschiedensten Seiten massiv kritisiert wird. Es gibt Regionen auch in
der Schweiz, wo man bei Übertretung der Luftschadstoffgrenzwerte alle
öffentliche Verkehrsmittel gratis benutzen kann.
Es ist unverständlich, dass innerorts, wo am meisten Menschen leben, die
meisten Auswirkungen des Autoverkehrs zu erdulden sind (neben Abgasen
auch Lärm, Platzverbrauch und vor allem Gefahren insbesondere für die
zahlreichen Kinder. Dafür mit entsprechend immer höheren Kosten bei
Schulen wegen sozialen, motorischen, integrativen uva. Defiziten).

Antwort:

Gemäss BPUK-Beschluss wird auf AKTIVE Information umgestellt, wenn die Grenzwerte bereits um 50 Prozent überschritten worden sind (also ab 180 Mikrogramm pro Kubikmeter):
http://www.ostluft.ch/fileadmin/dateien/Publikationen/Medienmitteilung/BPUK_Ozon_Pressemitteilung%20100701.pdf

Wie Sie dieser aktuellsten Medienmitteilung sehen können, enthält sie durchaus Apelle an die Eigenverantwortung (Verhaltensempfehlungen) – was daran Interessierte ebenso wie Messresultate und Hintergrundinformationen auch permanent auf dem Internet sowie unseren periodischen Auswertungen und Berichten finden. Aktuelle Belastungs-Prognose stellt Ihnen Ostluft übrigens während der Ozonsaison ebenfalls täglich zur Verfügung:
http://www.ostluft.ch/index.php?id=10

Auf Ihren durchaus nachvollziehbaren Ärger über Verkehrspolitik und Medienprogramme gehe ich mich mangels Zuständigkeit nicht weiter ein.

Freundliche Grüsse

Thomas Brunner
Sektion Luftqualität

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