Glasfasernetz

Nun hab ich fast ein Jahr ohne Internetanschluss überlebt.
Für die Stellensuche  muss man sich extra aufs RAV begeben, für Schulaufgaben müssen Kinder ohne eigenen Internetanschluss zu hause am Mittwochnachmittag in der Schule „nachsitzen“, für Krankenkassenvergleiche ist man auf Bekannte und Verwandte mit Internetanschluss angewiesen etc.

Dabei hoffte ich ständig, dass das Openwireless endlich bis zu uns reicht.
Die davon ausgehende Strahlung macht mir persönlich nichts aus, für empfindliche Personen habe ich jedoch Verständnis. Lieber kann  ich aber per Openwireless kostengünstig ins Internet, als dass ich durch unzählige Wlan-Routers aus Nachbarwohnungen bestrahlt werde, von denen ich  aber keinen Nutzen habe.
Von der Studie über die Zukunft des Openwireless in der Stadt, die Ende April  gemäss Medienmitteilung vom 1. Februar 2010 veröffentlicht werden sollte, habe ich bis jetzt noch nichts vernommen.

Ende März wurde von den zuständigen Stadtwerken vollmundig angekündigt, dass das Glasfasernetz bereits für die Liegenschaften in unserem Quartier zur Verfügung stehe. Gleichzeitig hat die Stadt ohne Bewilligung auf unserer privaten Kinderspielwiese ein überdimensionales Informationszelt aufgestellt. Scheinbar wird lieber geklotzt als gekleckert, wenn auch auf Kosten anderer.

So habe ich mich mal für ein 2-monatiges Testabo angemeldet.
Nach unzähligen Telefonanrufen beim Provider, bei den Stadtwerken, beim Anschlussinstallateur (den Kasten für den Glasfaseranschluss wurde schon längstens in unserer Stube an die Wand geschraubt), erhielt ich nach fast einem Monat Wartezeit ein Router an einem extrem empfindlichen Kabel.
Auch Cablecom hat sich über Jahre mit schlechtem Kundenservice einen Namen gemacht. Die Stadtwerke, als Staatsbetriebs-AG auf guten Kundenservice bis anhin nicht angewiesen, scheint ins gleiche Fettnäpfchen zu treten, obwohl Cablecom unter ihrem schlechten Ruf noch immer leidet . Oder wieso sind immer noch die meisten bei der Swisscom trotz deren horrenden Preise?

Da nun niemand Lust hat, ständig gerade vor dem Fernseher mitten im Wohnzimmer vor dem Compi zu sitzen (weil sich da der einzige Glasfaseranschluss der ganzen Wohnung befindet), muss natürlich ein Wlan-Router her (in meinem Fall habe ich das via Homeplug (über das Stromkabel) gelöst). Das heisst, dass meine Wohnung dank Glasfasernetz in unserer Liegenschaft nun von 5 zusätzlichen privaten Wlan-Routern bestrahlt wird. Neuere Wohnungen haben wenigstens in den meisten Zimmern auch Telefon- und Fernsehanschluss.
Vom zusätzlichen Stromverbrauch von 2 Routern, einer fürs umwandeln des Lichtsignals der andere für die Verbreitung in die ganze Wohnung, wobei ja der Stromtransformer mit Abstand am meisten Strom verbraucht, mal abgesehen, wird einem ein weisser Kasten ins Haus gestellt, von dem man keinen Mehrwert hat. Wenn dieser Router wenigstens auch fürs Wlan oder für Homeplug, wäre eigentlich naheliegend für einen Stromanbieter, oder noch besser fürs Openwireless genutzt werden könnte.

Nun stellt sich die Frage, was für ein Mehrwert sich für die städtischen Steuerzahlern aus dieser über 70 Millionen Franken teuren Investition ergibt. Ein kostenloser Internetanschluss für alle, wie es zum Beispiel Gaiserwald neben vielen anderen Gemeinden mit eigenem Netz oder neu auch die Cablecom anbietet (unverständlicherweise auch nicht der Staatskonzern und die öffentliche Milchkuh Swisscom), ist nicht vorgesehen. Wer braucht überhaupt diese extrem hohen Bandbreiten, wenn sie nicht durch Router zur Signalverbreitung in der ganzen Wohnung massiv herabgesetzt werden?
Der schnellste Anschluss, den ich jemals hatte, war 5Mbit. Jetzt surfe ich mit 30Mbit. Ein Unterschied ist für mich nicht feststellbar. Ob eine Internetseite in weniger als 0,1 Sekunden oder in einer halben Sekunde aufgebaut ist, ist für die meisten Nutzer marginal.

Zudem sind die Preise der Glasfasernetz-Provider kaum konkurrenzfähig. Die orientieren sich wieder mal an der Swisscom. Nur wenig billiger oder etwas schneller bei gleichem Preis bewegt die Wenigstens sich dem nicht abschätzbaren Aufwand eines Anbieterwechsels auszusetzen und noch zudem einmalige, extrem hohe Setup-Gebühren zu berappen. Dabei liegen von diesen Anbietern noch keinelei Erfahrungen vor. 1-jährige Mindestvertragsdauer ist „natürlich“ Standart.
Vor allem fehlen auch kostengünstige Angebote mit niedrigeren Bandbreiten. Nur wenige laden sich täglich ganze Kinofilme in digitaler HD-3D-Qualität herunter.

Ist das Glasfasernetz nur für die Reicheren gemacht? Oder will man guten Steuerzahlern für ihre hohen Abgaben etwas bieten?

Weiterführende Informationen:
Link1
Link2

Ich hoffen nur, auch beim Lesen dieser Blogartikel, dass der weiter Ausbau des Glasfasernetzes sofort gestoppt wird, bevor auf Stromverbraucher oder Steuerzahler massive Kosten zukommen.

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