CVP familienfreundlich?

Mein Kommentar zum

Leserbrief im Tagblatt v. 3.6.2009 Artikel

Zeit für ihre Bedürfnisse
Leserbrief: Wir lassen uns die Zeit mit unseren Kindern nicht nehmen

Frau Martel schreibt, sie lasse sich die Zeit mit ihren Kindern nicht nehmen. Das ist ihr gutes Recht – darum geht es aber auch gar nicht: Ihre Kinder sollen auch weiterhin von der wertvollen gemeinsamen Zeit mit den Eltern profitieren können. Deshalb bin ich Frau Martel dankbar für den Leserbrief.

Er bietet die Gelegenheit, den falschen Eindruck, der durch den zitierten Bericht – bzw. vor allem durch die Einleitung dazu – entstanden ist, zu korrigieren. Dieser vermittelt in der Tat den Eindruck, die CVP wolle den Spielgruppen- oder Krippenbesuch im Vorschulalter obligatorisch machen. Um ein Obligatorium oder eine Pauschalisierung geht es jedoch genau nicht: In der Motion der CVP-Fraktion – der Text kann auf www.cvp-sg.ch heruntergeladen werden – ist weit und breit nirgends von einer Pflicht oder einem Zwang die Rede, sondern lediglich von einer Verbreiterung des Angebots. Auch an der Medienkonferenz hat keine der anwesenden Personen von einer Pflicht gesprochen. Jede Familie soll selbst entscheiden können, wie oft sie Fremdbetreuung in Anspruch nehmen will.

Es geht vielmehr darum, regional abgestimmt und bedürfnisgerecht die nötigen und günstigen Angebote auszubauen, damit diese Wahlmöglichkeit auch tatsächlich alle Familien haben – zum Wohl der Kinder. Nicht mehr und nicht weniger. Alle Kinder sollen die nötige Zeit für ihre Bedürfnisse geschenkt erhalten, von und mit ihren Eltern ebenso wie mit anderen Kindern zusammen – unabhängig davon, ob inner- oder ausserhalb der Familie. Das kommt schliesslich allen zugute: den Kindern, den Eltern und der gesamten Gesellschaft.
Iwan Köppel Parteisekretär CVP Kanton St. Gallen Oberer Graben 3, 9001 St. Gallen

Geradezu lächerlich, wie hier der Parteisekretär der CVP von Wahlfreiheit spricht.

Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung haben nur reichere, aber nicht arme Familien, deren Eltern gezwungen sind, zur Erzielung eines existenzssichernden Einkommens, beide arbeiten zu gehen.
Heisst denn familienfreundlich, dass man möglichst wenig Zeit mit der Familie verbringen und lieber für eine anonyme Gesellschaft (Aktiengesellschaft auf französich société anonym) Zeit aufwenden soll, damit der Staat mehr Steuereinnahmen hat und das Kind mehr Spielsachen?
Welche Eltern haben nach 8 Stunden Arbeit, wenn sie dann noch kochen, putzen, einkaufen, waschen etc. müssen, noch Zeit für ihre Kinder und kann die für die Kindsentwicklung äusserst wichtige Funktion als Hauptbezugsperson wahrnehmen? In der Realität heissts Fertigfrass in die Microwelle und Kinder ins Bett, damit die Eltern sich ausruhen können. Ist das das Bild von Familie das die CVP anstrebt?

Unglaublich dass eine Partei, die so viel Verantwortung in Regierungen und Parlamenten mitträgt, auf diese Art die Bürger anlügt, keine Ahnung von den Lebensumständen vieler minderbemittelten Familien in der Schweiz hat.

Bestes Beispiel ist ihre Initiative für 50% mehr Kinderabzüge. Davon profitieren die reichsten Eltern am meisten. Arme Eltern kaum.
Brauchen denn Kinder reicher Eltern mehr Geld für eine gesunde Entwicklung ihrer Kinder? Wärmere Kleidung, mehr Essen, mehr Spielsachen, ein grösseres Spielzimmer etc.?
Dabei müsste doch CVP-Nationalrätin Meier-Schatz als Präsidentin der Stiftung Kinder und Gewalt durch ihre Arbeit selbst bemerken, dass mit Kinderabzügen bei den Steuern den sozial benachteiligsten und aufwendigsten Kindern nicht geholfen wird.
Auch Fremdbetreuung kann den Verlust einer Hauptbezugsperson, der man sich anvertrauen kann, weil man emotionale Bindung zu ihr hat, nicht ersetzen. Im Gegenteil produziert mal so Singles, die zunehmend beziehungsunfähig sind, was eine weitere Aufblähung unseres Sozialstaates zur Folge hat.
Niemand will Kinder, weil man sie gut anderen abgeben kann.
Erfahrungen von Kinderpsychologen, Schulsozialarbeiten, Schulpsychologischem Dienst zeigen, dass durch Frembetreuung kein Mehraufwand verhindert wird.
Besser man würde die Erziehungskompetenzen der Eltern fördern.

Wieso etwas künstlich schaffen, das gratis in der Natur vorhanden ist und an das sich der Mensch in tausenden Jahren Evolution angepasst hat. Kinder leben nicht im Zoo.

Lieber ein neues Cabrio für die Eltern statt mal 2 Stunden auf dem Spielplatz verbringen, um dem eigenen Kind soziale Kontakte mit Gleichaltrigen zu ermöglichen?

Dabei zeigt die Statistik: je reicher desto kinderärmer und umgekehrt.
Nur gleiche Staatsausgaben/-erleichterungen für alle Kinder schafft auch Chancengleichheit.

Ausserdem wird durch die CVP-Politik (Stadträtin Eberhard) die obligatorische Tagesschule durch immer mehr Pflichtlektionen schleichend eingeführt. Egal ob Kinder selbst fähig sind, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten.

Wieso muss man heute Dinge wie Spielgruppe, Krippen etc. künstlich schaffen?
Weil Kinder vermehrt in einer entwicklungsfeindlichen Umgebung aufwachsen.
Wenn eine Wohnquartierstrasse hauptsächtlich zum Abstellen von Motorfahrzeugen oder um den direkten Zugang von der Tiefgarage zur Wohnung zu ermöglichen statt für Freiraum für Kinder gestaltet wird, muss man sich über Fehlentwicklungen nicht wundern.
Die Realität zeigt, je verkehrsreicher eine Strasse, desto mehr Familien mit Kindern leben dort, weil dort die billigsten Wohnungen sind und Familien mit Kindern meist auf der untersten sozialen Stufe sind.

Kinder resp. Schule hat die Konsequenzen einer kinderfeindlichen Zonenplanung, Siedlungs- und Verkehrspolitik zu tragen.

Dabei könnten wir Erwachsenen in Bezug auf soziale Kontakte knüpfen nur von den Kindern lernen.
Welche Gesellschaftsschicht hat schnelleren, unkomplizierteren und unvoreingenommeren Kontakt zu den Nachbarn (-kinder) als Kinder.

Advertisements

Über gallenblog

gallenblog@gmail.com
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu CVP familienfreundlich?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s